Die britische Geschäftskultur 
Termine
Theoretisch erstrecken sich die Geschäftszeiten von Montag bis Freitag von 9:00 bis 17:00. In der Praxis arbeiten die meisten Arbeitsnehmer erheblich länger; viele sind schon um 8:30 an ihrem Arbeitsplatz und Führungskräfte arbeiten häufig bis 19:00. Berufsgruppen wie Anwälte oder Consultants kommen zwar nicht vor 9:30 ins Büro, aber dafür bleiben sie auch manchmal bis zum nächsten Tag. Im Allgemeinen bleiben die Briten lieber länger im Büro, als sich Arbeit mit nach Hause zu nehmen, selbst wenn sie eine Aktentasche bei sich haben (das ist eher ihre ‘Executive-Lunchbox’).
Regierungsstellen bleiben zur Mittagspause zwischen 13:00 und 14:00 geschlossen, haben aber dann nachmittags bis 17:30 geöffnet.
Termine sollten mindestens ein paar Tage im Voraus vereinbart werden und idealerweise bei Ihrer Ankunft in Großbritannien bestätigt werden. Die meisten britischen Geschäftsleute sind nicht so bedacht auf ihren Terminkalender, dass sie nicht einem Besucher auch noch relativ kurzfristig einen Termin geben würden. Höhere Mitglieder des sogenannten 'Establishments', werden jedoch teilweise von nicht gerade kooperativen Assistenten abgeschirmt, während der weitgereiste Unternehmer möglicherweise wirklich keine Zeit hat. Unangemeldete Anrufe oder Besuche werden nicht gerne gesehen.
Die Monate Juli und August sollte man besser meiden, da diejenigen mit Kindern in diesen Monaten ihren Jahresurlaub nehmen müssen. Auch Ostern ist eine beliebte Urlaubszeit und im Mai gibt es zwei gesetzliche Feiertage, die dem unbedachten Besucher hinderlich sein könnten [besonders wenn Ostern in den späten April fällt]. Zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt Großbritanniens Wirtschaft nahezu komplett geschlossen. Ansonsten gibt es in Großbritannien nur acht gesetzliche Feiertage im Jahr; weniger als in allen anderen europäischen Ländern.
Pünktlichkeit wird geschätzt, aber es wird Ihnen niemand verübeln, wenn Sie ein wenig zu spät [bis zu 15 Minuten] zu einem Treffen mit einer Einzelperson erscheinen. Sobald jedoch mehrere Personen beteiligt sind ist es offenkundig wahrscheinlicher, dass jemand dann noch andere Verpflichtungen hat. Bei gesellschaftlichen Anlässen hingegen sollten Sie nicht allzu pünktlich sein – versuchen Sie die berühmten fünfzehn Minuten nach der angegebenen Zeit zu erscheinen.
Und schließlich denken Sie immer daran, dass Großbritanniens Verkehrsinfrastruktur im 19ten Jahrhundert führend in der Welt war. Teile davon gibt es immer noch. Das bedeutet, dass eine Reise vor allem in London und im Südosten erheblich länger dauern kann, als es angekündigt und/oder erwartet war. Die Londoner Untergrundbahn (‘Tube’) und Langstreckenzüge sind dabei die schlimmsten Übeltäter.
Geschäftliche Kleiderordnung
Sowohl für Männer als für Frauen gilt in der britischen Geschäftskultur konservative Kleidung als die Norm und dunklere Farben (schwarz, dunkelblau, dunkelgrau) und schwere Stoffe (Wolle) überwiegen. Niemand trägt heutzutage mehr Frack und Melone am Arbeitsplatz, aber der traditionelle Nadelstreifen ist immer noch äußerst beliebt.
Angehörige der Werbe- oder Medienbranche kleiden sich gerne etwas extravaganter, aber immer noch elegant und von führenden Designern. Das mittlere Management achtet mehr auf die Kosten, als auf Stoffqualität und Stil und kauft daher gerne in den Ladenketten der Fußgängerzone. Weder Männer noch Frauen sollten Jeansstoffe tragen.
Einige britische Unternehmen haben das Konzept des ‘Casual Friday’ mit legerer Kleiderordnung eingeführt, aber das ist nicht allgemein gültig und es ist besser, hier auf Nummer sicher zu gehen und lieber overdressed zu erscheinen (das Jackett kann man ja immer noch ausziehen). In IT-Abteilungen gilt durchgängig die legere Kleiderordnung.
Denken Sie nicht, dass britische Geschäftsfrauen oder Geschäftsmänner sich so kleiden, als ob sie auf die Jagd oder zum Tontaubenschießen gehen wollten. Tweed, Cord und bequeme braune Halbschuhe gehören zwar zum Landleben (oder in die alten Universitäten), aber da sollten sie auch bleiben. Genauso wenig tragen Schotten, mit Ausnahme vielleicht der Lairds und Gillies, einen Kilt am Arbeitsplatz; Kilts mögen zwar eng mit dem schottischen Kulturerbe verbunden sein, aber man sieht sie höchstens noch bei Highland-Hochzeiten oder ähnlichen gesellschaftlichen Zusammenkünften und wenn schottische Sportfans ins Ausland reisen.
Aber dennoch haben die Briten für bestimmte gesellschaftliche Anlässe auch ihre spezielle Kleidung. Beim Royal Ascot Pferderennen trägt man zum Beispiel Frack und Zylinder und ein Opernabend in der Glyndebourne Oper erfordert Abendrobe und Smoking (vorzugsweise kein weißer). Die Regeln werden zwar etwas lockerer, aber die Clubs und eleganteren Hotels und Restaurants in London schreiben teilweise immer noch Jackett und Krawatte für den Herren vor (nötigenfalls erhältlich beim Portier) und die Damen sollten keine Hosen tragen.
Weitere Richtlinien
Zwei Tipps für den Herren:
tragen Sie keine Kugelschreiber oder Stifte in der Brusttasche Ihres Hemdes oder Jacketts (allerdings können Sie ein dekoratives Seidentaschentuch in Ihrer Jackettasche tragen);
vermeiden Sie gestreifte Krawatten (es besteht die Gefahr, dass diese Streifen zu einer Institution wie einer Schule, Universität, Club oder einem Militärregiment 'gehören', wo Sie nicht Mitglied sind).
Allgemeine Richtlinien
Die meisten Briten sind von Natur aus reserviert und lassen sich nicht gerne auf einen Smalltalk mit einem Fremden ein. Tatsächlich gibt es sogar Situationen, in denen eine solche Art der Unterhaltung sogar verpönt ist, zum Beispiel während der Fahrt mit der Londoner Untergrundbahn; in solchen Fällen dient eine Zeitung als Abwehrmittel, während sie gleichzeitig auch noch potentiellen Gesprächsstoff für eine spätere Unterhaltung in privater geselliger Runde liefert.
Briten sprechen größtenteils in leisem, gemäßigtem und bedächtigem Tonfall, ohne zur Betonung die Stimme zu erheben oder wild zu gestikulieren. Außerdem bewahren sie sich gerne ihren persönlichen Freiraum und scheuen zurück, sobald sie hier jemanden als Eindringling empfinden.
Obwohl nicht alle Briten besonders sprachgewandt sind, sollten Sie versuchen, in vollständigen Sätzen zu sprechen; Briten finden die Art der Nordamerikaner, mitten im Satz zu verstummen, im Allgemeinen eher irritierend. Auch sollten Sie niemals jemanden unterbrechen;
Briten mögen keine lebhaften Diskussionen; beginnt eine Diskussion hitzig zu werden, wurde sie wahrscheinlich durch Alkohol angeheizt und es mag für Sie an der Zeit sein, sich höflich zu verabschieden.
Willkommene Gesprächsthemen und worüber man nicht sprechen sollte
Humor ist ein entscheidendes Merkmal aller Aspekte des britischen Lebens. In einer Gesellschaft, die Schwierigkeiten damit hat, echte persönliche Gefühle auszudrücken, dient Humor oft als eine Art Verteidigungsmechanismus aber ist auch grundsätzlich niemals fehl am Platz in einer Kultur, der Ersthaftigkeit unter allen Umständen zuwider ist. Sie müssen sich nicht bemühen, selbst unendlich witzig zu sein, aber Sie sollten sich auch nicht über eine gewisse Grobschlächtigkeit oder eine in Ihren Augen unangebrachte Ungezwungenheit wundern.
Die Briten sind bei weitem nicht so politisch korrekt wie die Nordamerikaner, die sich schnell von einer gewissen Art von Mutterwitz beleidigt fühlen.
Großbritannien ist eine durch und durch ethnisch gemischte und multikulturelle Gesellschaft. Sie sollten also keine Mutmaßungen über den Hintergrund, die Nationalität oder die Herkunft einer Person anstellen.
Willkommene Gesprächsthemen
Das Wetter (immer ein guter Anknüpfungspunkt), Sport (insbesondere Football/Soccer), Tiere (in der Regel ein sicheres Gesprächsthema – nur Vorsicht vor Vegetariern, sollte man sie gerne verspeisen) britische Geschichte, Kultur, Literatur, Kunst und Popmusik, Zeitgeschehen, Ihr näheres Umfeld und positive Erfahrungen in Großbritannien, wie gut das Essen ist (hier haben sich die Dinge in den letzten Jahren geändert!) und das gute Ale (das traditionelle britische Bier)
Themen, die man vermeiden sollten
Nordirland (besonders wenn Sie sich in Nordirland, Glasgow oder Liverpool befinden), die Monarchie und die Königliche Familie, Parteipolitik, die Europäische Union, ‘Brüssel’ und der Euro, der Nahe Osten persönliche Fragen nach dem Hintergrund, Religion, Beruf, usw. einer Person, Klassen und Klassensystem, Rasse und Immigration, Sex (besonders Homosexualität)
Die richtige Anrede
Obwohl die Briten für ihre steife Förmlichkeit bekannt sind, sind sie eigentlich eher informell und der sofortige Übergang zum Vornamen ist in allen Schichten des britischen Lebens zunehmend verbreitet, besonders unter den jüngeren Briten (unter 40-45 Jahren) und in den neueren Industriezweigen.
Dennoch sollten Sie erst warten, bis Sie aufgefordert werden zum Vornamen überzugehen und nicht selbst damit anfangen. Niemand wird Ihnen eine übertriebene Korrektheit verübeln, aber eine verfrühte Ungezwungenheit könnte als anmaßend angesehen werden.
Dieselben Prinzipien gelten für das Schreiben von Briefen. Sie sollten so lange formell sein und bleiben, bis Ihr Briefpartner Ihnen das Zeichen gibt (z.B. indem er nur noch mit seinem Vornamen unterzeichnet), dass die Zeit gekommen ist, zwangloser zu werden. Ranghöhere Personen spricht man nicht gerne mit dem Vornamen an, weder schriftlich noch mündlich.
Die Regeln für Emails sind lockerer, aber einige Briten schreiben auch Emails so, als wären es ‘normale’ Briefe. Auf keinen Fall gibt es eine Entschuldigung dafür, die Rechtschreibprüfung nicht zu benutzen.
Weitere Richtlinien
Belange der Frauenrechtler können zur Verwirrung beitragen. Gewöhnlich spricht man eine Frau, deren Familienstand nicht bekannt ist, mit ‘Ms‘ an. Außerdem sollte man wohl die Nachsilbe ‘-man‘ vermeiden, was jedoch dann zu solch merkwürdigen Ausdrücken wie ‘Ms Chair’ führt (in der Praxis heißt es dann in der Regel ‘Madam Chair’).
Einige Berufsgruppen – der Regierung, des Militärs, der Kirche, der akademischen Welt – hängen immer noch sehr an Titeln, die den Rang oder die akademische Stellung bezeichnen und das sollte man also respektieren.
Es gibt eine hartnäckige Tradition unter sehr engen (männlichen) Freunden, die in der Regel die gleiche (private) Schule oder (alte) Universität besucht haben, nur den Nachnamen zu benutzen. Das darf allerdings keine Nachahmung finden. Wenn es keinen Berufstitel gibt, sollten Sie zumindest die Höflichkeitstitel ‘Mr’, ‘Mrs’, usw. voranstellen, wenn Sie jemanden mit dem Nachnamen ansprechen. ‘Sir’ und ‘Madam’ werden von Verkäufern, Kellnern, Empfangspersonal, usw. als Anrede für Kunden benutzt.
Auswahl und Verschenken von Geschäftspräsenten
Das Verschenken von Präsenten ist in der britischen Geschäftskultur nicht üblich. Tatsächlich werden britische Kollegen wahrscheinlich eher verlegen reagieren, sollte ihnen ein Präsent überreicht werden. Einzige Ausnahme wäre ein ganz besonderes Erinnerungsstück bei einem Geschäftsabschluss, um diesen Anlass entsprechend zu würdigen. Solche Erinnerungsstücke können etwas aus Gold, Silber oder Porzellan sein und sollten mit einer entsprechenden Gravur versehen sein. Um es noch einmal zu wiederholen, muss ein Präsent maßvoll, geschmackvoll und darf auf keinen Fall ausnehmend teuer sein, um den Empfänger nicht in Verlegenheit zu bringen. Geeignete Zeichen aufrichtiger Dankbarkeit wären kleine Geschenke, wie Stifte oder Bücher, die wiederum mit einer entsprechenden Gravur oder Widmung versehen sind und Blumen oder Wein/Champagner reichen völlig aus, um (jüngeren) Kollegen für Ihre Dienste zu danken. Als gute Alternative können Sie Ihren Gastgeber oder jemanden, dem Sie sich dankbar erweisen wollen, zu einem Essen oder einem Theater- oder Opernbesuch einladen.
Ihre Kollegen nach der Arbeit zu einem Umtrunk einzuladen ist immer eine gute Wahl. (Dies ist auch die gängigste Art, einen Geburtstag zu feiern.)
Zu Weihnachten werden niemals Präsente verschenkt, aber eine Weihnachtskarte wird besonders als Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber Geschäftsfreunden gerne gesehen und ist auch eine gute Methode, wertvolle Kontakte zu pflegen.
Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie ein Präsent erhalten, zeigen Sie sich auf alle Fälle erkenntlich. In der Annahme, dass Sie davon überrascht wurden, haben Sie sicher nichts zur Hand, also ist es die beste Idee, eine Einladung zum Essen auszusprechen oder, falls die Zeit zu kurz ist, zum nächsten Weinhändler zu gehen und eine Flasche des besten Champagners zu erstehen, den Sie sich leisten können.
Wenn Sie zu einem Briten nach Hause eingeladen werden, ist es allgemein üblich, dem Gastgeber eine Flasche Wein, Blumen und/oder Schokolade mitzubringen. Fühlen Sie sich nicht beleidigt, wenn Ihr Gastgeber die Flasche Wein nicht am gleichen Abend öffnet, sondern in seinem Weinkeller verstaut. Champagner ist auch immer willkommen und kann schnell für einen Toast nach dem Essen kalt gestellt werden.
Spirituosen sind jedoch immer eine Sache des persönlichen Geschmacks und sollten nicht verschenkt werden.
Für Blumen gelten die üblichen europäischen Regeln: keine roten Rosen, weißen Lilien oder Chrysanthemen.
Wenn Sie wissen, dass Sie bei einer Familie zu Gast sein werden, ist es immer eine gute Idee, etwas aus Ihrem Heimatland mitzubringen. Ihre Gastgeber lassen Sie ein in ihr vertrautes Heim, also wäre ein Bildband über die Gegend, in der Sie leben, oder ein landestypischer Artefakt eine gute Möglichkeit, Ihren Gastgebern auch einen kleinen Einblick in die Geheimnisse Ihres eigenen Heims zu gewähren.
Was Sie vor dem Verhandeln wissen sollten
Während jüngere Nachwuchsmitarbeiter durchaus sehr gut in der Lage sind, Verhandlungen aus der Ferne zu führen, ist es immer besser, ältere und ranghöhere Repräsentanten für persönliche Gespräche nach Großbritannien zu entsenden. Damit soll nicht gesagt sein, dass britische Geschäftsleute glauben, jüngere Menschen wären der Aufgabe nicht gewachsen, aber es besteht ein gewisses Misstrauen gegenüber den Senkrechtstartern, die mit glänzendem Betriebswirtschaftsabschluss frisch von der Universität kommen. Dies ist insbesondere im Produktions- und Finanzsektor der Fall, wo viele in ranghöheren Positionen und sogar Führungskräfte über relativ geringfügige Schul- oder akademische Vorbildung verfügen, sondern sich von der Pike auf nach oben gearbeitet haben. Diese Haltung ändert sich allmählich aber es ist immer noch eine starke Tradition in Großbritannien, sein Handwerk von Grund auf im Unternehmen und nicht in der Schule zu erlernen und Erfahrung wird höher geschätzt, als ein Bildungsabschluss. Folglich sind ältere Mitarbeiter eher in der Lage, diese Achtung gebietende Autorität auszustrahlen, die in der britischen Geschäftskultur respektiert wird.
Gleichermaßen gibt es Industriezweige, auch hier insbesondere das produzierende Gewerbe, in denen verhältnismäßig wenig Frauen in Führungspositionen zu finden sind, obwohl Frauen in Großbritannien einen größeren Prozentsatz der Arbeitnehmerschaft ausmachen, als in anderen Ländern der EU. Geschlechterdiskriminierung ist selbstverständlich ungesetzlich, aber viele Unternehmen – besonders außerhalb Londons und den Großstädten – werden immer noch von recht traditionellen älteren Herren dominiert. Um sich Respekt zu verschaffen und ihr Gegenüber von ihrer Kompetenz zu überzeugen, sollte die reisende Geschäftsfrau ein professionelles Auftreten an den Tag legen, gründliches Wissen auf ihrem Gebiet zeigen und sich jederzeit konservativ kleiden.
Eine gründliche Vorbereitung ist wichtig: Bringen Sie einen ausreichenden Vorrat an Visitenkarten mit [die normalerweise am Ende eines Meetings ausgetauscht werden] und sorgen Sie dafür, dass Sie das geeignete Material für eine wirkungsvolle Präsentation besitzen.
Meetings mögen manchmal ein wenig anarchisch, ohne offenkundige Struktur oder Richtung erscheinen. Obwohl Teamwork wichtig ist, bleibt die britische Geschäftskultur im Wesentlichen hierarchisch.
Dennoch ist es zwar richtig, dass Briten in der Vergangenheit unbeugsamen Respekt vor Autorität zeigten, aber sie haben Systeme doch nie wirklich gemocht und die heutige Praxis bevorzugt einen eher flexibleren Ansatz, der den Einzelnen als wertvolles Mitglied des Teams respektiert.
Was Sie sonst noch vor dem Verhandeln wissen sollten
Die obersten Führungskräfte treffen immer noch die 'großen' Entscheidungen, und zwar manchmal einseitig, aber mittlerweile wird dem Nachwuchs mehr Mitgestaltungsmöglichkeit gegeben. Gleichzeitig wird die 'jüngere Generation' (unter 40-45 Jahren) auch einfach respektloser den Älteren gegenüber, die sie nicht mehr zwangsläufig als die Besseren betrachten. Das bedeutet nicht, dass der Chef jetzt ein aufgeschlossenerer 'Freund' wäre; Führungskräfte führen immer noch, gerade in den älteren Industriezweigen, wo wirkliche Verantwortung nur begrenzt delegiert wird. Die Briten arbeiten gut im Team und treffen auch Entscheidungen als Team, aber der Chef bleibt immer ein wenig außen vor.
Präzedenzfälle spielen bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle. Briten folgen gerne bewährten Regeln und Methoden und Unternehmenspolitik ist die maßgebliche Autorität auf allen Ebenen des Unternehmens. Ein Vorhaben hat eine größere Aussicht auf Erfolg, wenn es mit der Art übereinstimmt, wie die Dinge in der Vergangenheit gehandhabt wurden. Entscheidungsfindung kann ein langsamer und bedächtiger Prozess sein und es ist in der Regel kontraproduktiv, diesen Prozess beschleunigen zu wollen oder den Entscheidungsträger unter Druck zu setzen; am Ende trifft der Geschäftsführer (in den meisten britischen Unternehmen also die ranghöchste Führungskraft) eine endgültige Entscheidung; zwar vielleicht einseitig, aber praktisch unwiderruflich.
Briten sind von Natur aus relativ wortkarg und es mag sein, dass die schweigsamste Person am Tisch tatsächlich den größten Einfluss und/oder Macht besitzt.
Einige abschließende Ratschläge
Seien Sie sich bei Ihren Geschäften darüber bewusst, dass die Briten Meister des Understatements sind und Ironie eine bevorzugte Waffe ist. Direkte Fragen führen zu ausweichenden Antworten und eine andere typisch britische Masche ist es, nichts deutlich zu sagen, sondern das Gegenteil dessen zu implizieren, was tatsächlich gesagt wird.
Humor spielt auch eine wichtige Rolle in geschäftlichen Besprechungen; es kann von Vorteil sein, über ein Repertoire an Witzen und Anekdoten zu verfügen und gute Geschichtenerzähler sollten ihre Gabe ausschöpfen. Auf jeden Fall sollten Sie sich nicht von einer scheinbar unangemessenen Ungezwungenheit überraschen lassen. Andererseits sind die Briten Freunde des Sarkasmus, vor allem des speziellen Spotts, mit dem ein Widersacher verhöhnt werden, oder eine Meinungsverschiedenheit oder sogar Missachtung ausgedrückt werden kann. Das mag zwar zu dem jeweiligen Zeitpunkt schmerzhaft sein, aber Briten sind in der Regel nicht nachtragend.
Abschließend kann man sagen, dass Briten, sobald sie sich einmal entschieden haben, Geschäfte mit Ihnen zu machen, offen und direkt sein können und sich vermutlich nicht scheuen werden, ihre Meinung offen auszusprechen. Sicher werden sie nicht lange mit einem ‘Nein’ zögern (jedoch höflich oder eher indirekt).
Erfolgreiche Bewirtung
Als Grundprinzip gilt immer: ‘Andere Länder, andere Sitten’, was bedeutet, dass Sie stets dem Beispiel Ihrer Gastgeber folgen sollten.
Es gab eine Zeit, als Führungskräfte häufig zu einem nicht selten feuchtfröhlichen Mittagessen ins Restaurant gingen. Heute ist es wahrscheinlicher, dass er oder sie ein eher bescheidenes Mahl in der Kantine zu sich nimmt, oder sich ein Sandwich und ein Mineralwasser an den Schreibtisch bringen lässt (möglicherweise erst mitten am Nachmittag). Spielt sich so der normale Arbeitsalltag Ihres britischen Gegenübers ab, dann sollten Sie es ihm gleichtun.
Größtenteils finden Geschäftsessen und dergleichen aber immer noch in Restaurants, Pubs und den eleganteren Cafés statt. Es folgen daher ein paar Richtlinien fürs Ausgehen.
Die beste Zeit für ein ernsthaftes und produktives Geschäftsessen ist die Mittagszeit. Arbeitsfrühstücke sind nicht sehr verbreitet (nicht einmal in London). Ein Umtrunk nach Feierabend oder kleines Abendessen bietet zwar die Möglichkeit zur zwanglosen Sondierung oder zum Plaudern, aber eignet sich nicht wirklich für ein ernsthaftes Gespräch. Das Abendessen ist eher für mehr gesellschaftliche oder feierliche Anlässe reserviert, wobei die Ehepartner aller Wahrscheinlichkeit nach auch teilnehmen und in der Regel keine Fachgespräche geführt werden.
Ein Mittagessen wird üblicherweise in den meisten Restaurants zwischen 12:00 und 14:00 serviert und ein Abendessen zwischen 19:00 und 23:00. Cafés, einige Pubs und billigere Restaurants bieten teilweise durchgehende Küche. Natürlich finden Sie in den kosmopolitischeren Gegenden eine größere Flexibilität und Vielfalt, aber Sie sollten vorgewarnt sein, dass es auf dem Land sehr schwierig werden kann, nach 21:00 überhaupt noch etwas zu Essen zu bekommen und/oder die Auswahl sehr begrenzt sein wird. (‘HighTea’ ersetzt übrigens eigentlich das Abendessen und wird zwischen 16:00 und 18:00 serviert; es wird ein herzhaftes warmes Gericht zusammen mit Sandwiches, Teegebäck und Kuchen gereicht. Heute wird High Tea in der Regel nur noch in den größeren Hotels, auf den Landsitzen und in den Räumen der Oxbridge-Universitäten serviert.)
Weitere wertvolle Richtlinien für die Bewirtung
Früher war es so, dass man einen Geschäftspartner erst dann zum Essen eingeladen hat, wenn man ihn oder sie ziemlich gut kannte und dass eine Frau niemals einen Mann eingeladen hätte, aber diese Einschränkungen bestehen heute größtenteils nicht mehr (obwohl es vielleicht immer noch ratsam für eine Geschäftsfrau ist, einen männlichen Kollegen eher zum Mittagessen, als zum Abendessen einzuladen). Zwei Tabus bestehen auf jeden Fall immer noch:
- laden Sie nur Leute mit dem gleichen Hintergrund und dem gleichen beruflichen Stand ein (es sei denn, Sie bewirten das ganze Team);
- besprechen Sie nichts Geschäftliches (es sei denn, es ist ein Arbeitsessen und Ihr Gast bringt das Thema auf).
Bei solch informellen Anlässen ist Bier das beliebteste Getränk. Traditionelles britisches Bier wird bei Kellertemperatur serviert, mag schal erscheinen und ist für gewöhnlich in einer reichhaltigen Auswahl verschiedener Brauarten und Stärken erhältlich. ‘Bitter’ ist die üblichste Variante und die meisten Bars bieten mehrere Marken davon an. Normalerweise wird die alkoholische Stärke deutlich ausgewiesen; wenn Sie aber dennoch unsicher sind und einen klaren Kopf bewahren wollen, dann fragen Sie höchstens nach Medium (hier liegt der Alkoholgehalt typischerweise bei circa 4%). Traditionsgemäß bestellen Frauen ein halbes Pint und Männer ein ganzes Pint, aber diese Gepflogenheit ändert sich und es ist heute auch akzeptabel, wenn sich eine Frau ein ganzes Pint bestellt. Umgekehrt wird es von der eher machohaften britischen Trinkkultur nicht gerne gesehen, dass sich ein Mann ein halbes Pint bestellt.
Richtiges Verhalten in der Öffentlichkeit
Gesten wie das Schulterklopfen und Umarmungen werden nicht gerne gesehen und es gilt, einen großen Abstand zu seinen Gesprächspartnern zu wahren. Augenkontakt kann erforderlich sein, um wichtige Punkte zu unterstreichen aber übertreiben Sie es nicht. Lautes Sprechen ist inakzeptabel und Schreien überschreitet gänzlich die Grenze des Erlaubten. Einige altmodische Gesprächspartner werden Ihnen einfach nicht zuhören, wenn Sie die Hände in den Taschen haben. Wildes Gestikulieren ist den Briten unbekannt.
‘How do you do?’ ist eine Grußformel und keine Frage. Man benutzt diese Floskel, wenn man zum ersten Mal einander vorgestellt wird und antwortet gleichermaßen mit ‘How do you do?’ Diese konventionelle Gepflogenheit ist nicht zu verwechseln mit 'How are you?' usw., was als eine mehr oder weniger ernstgemeinte Frage nach Ihrem Wohlbefinden zu verstehen ist.
Wenn die Briten nicht viele Worte machen, dann liegt das daran, dass sie die Worte auch so meinen, die sie benutzen. Briten sind größtenteils höflich und zuvorkommend. Sie erwarten es, mit Respekt behandelt zu werden und werden Sie im Gegenzug dafür ebenso mit Respekt behandeln, also:
- hat sich eine Warteschlange gebildet, stellen Sie sich bitte hinten an und warten Sie geduldig; und
- benutzen Sie nicht das ‘V’-Zeichen [Ausstrecken des Zeige- und Mittelfingers] es sei denn, Sie sind sich sicher, welches die Churchill-Version für das Friedens- oder Siegeszeichen ist (Handfläche nach außen); die andere Version (Handfläche nach innen) ist heute nicht mehr so üblich, aber immer noch vulgär und beleidigend.
Beinahe alle Hotel- und Restaurantrechnungen enthalten einen 10-15%igen Bedienungszuschlag und Sie sollten argwöhnisch reagieren, wenn man den Kreditkartenbeleg offen lässt, damit Sie ein zusätzliches Trinkgeld eintragen (wenn Sie sich für besonders guten Service erkenntlich zeigen wollen, dann geben Sie den Mitarbeitern selbst das Bargeld). Es wird kein Trinkgeld in Bars gegeben, wo man nicht am Tisch bedient wird. Andererseits erwarten Taxifahrer (besonders in London), Friseure, Portiers, usw. ein Trinkgeld in Höhe von 10-15% oder ein paar Pfund, je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Einige abschließende Tipps
Die britische Küche ist nicht mehr das, was sie einmal war. Glücklicherweise hat sich die ehemals gastronomische Wüste in den letzten zwanzig Jahren gewandelt und heute sind in Großbritannien einige der besten Restaurants dieses Planeten zu finden. Unglücklicherweise sind die besten Restaurants auch die teuersten und sind auf London und die Randbezirke oder zumindest auf die größeren Städte beschränkt. Es ist zwar möglich, in den ländlichen Regionen gut zu essen, aber es erfordert einige Recherche, um hier ein geeignetes und gutes Restaurant zu finden.
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